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DEUTSCH BIOGRAPHIE – Necip FAZIL KISAKÜREK

Nach seinen eigenen Worten wurde er “in Cemberlitas in einer Straße, die nach Sultanahmet hinunterführt, in einem großen Bürgerhaus” im Jahre 1904 geboren. Nach Absolvierung mehrerer Schulen, darunter auch des amerikanischen College, setzte er seine Hochschulausbildung auf der Flottenakademie fort (1922). In dieser Militärschule wurde er im Fach Religion von Ahmet Hamdi aus Akseki, in Geschichte von Yahya Kemal unterrichtet, aber am meisten beeinflusste ihn Ibrahim Aski, der “mich beginnend bei Literatur und Philosophie bis zu Mathematik und Physik in vielen Wissenschaften bis aufs Äußerste beeindruckt hatte”. Ibrahim Aski verschaffte ihm auch den ersten Zugang zum Sufismus durch Bücher, die er ihm zum Lesen empfahl. Nachdem Kisakürek die Militärschule “als Kandidat für die Ausbildung an der Waffe” beendet hatte, absolvierte er sein Studium in Philosophie an der späteren Istanbuler Universität (1921-1924). Einer seiner engsten Kommilitonen zu jener Zeit war Hasan Ali Yücel. Mit einem Stipendium des Erziehungsministeriums ausgestattet, verbrachte er ein Jahr in Paris (1924-1925). Nach seiner Rückkehr nahm er eine Tätigkeit als Beamter und später als Prüfer in so verschiedenen Banken wie der Holländischen, der Osmanischen und der Arbeits-Bank auf (1926-1939). Er unterrichtete in Ankara an der Fakultät für Sprachen, Geschichte und Geographie sowie am Staatlichen Konservatorium und in Istanbul an der Akademie der Schönen Künste (1939-1942). Kisakürek, der schon in jungen Jahren Verbindungen zur Presse pflegte, nahm daraufhin Abschied von einer Tätigkeit als Staatsbeamter und verdiente seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller sowie mit der Herausgabe von Zeitschriften.

Necip Fazil Kisakürek starb am 25. Mai 1983 in seinem Haus in Erenköy nach einer langen Krankheit, die jedoch seine Aktivitäten und seine schriftstellerische Laufbahn nicht behindert hatte. Im Anschluss an die recht unruhig verlaufenden Begräbnisfeierlichkeiten wurde er auf dem Friedhof in Eyüp beigesetzt.

Im Jahre 1947 gewann Necip Fazil mit dem “Geduldsstein” betitelten Theaterstück den Hauptpreis beim C.H.P. Theater- Wettbewerb. Aus Anlass des 75. Geburtstages von Kisakürek wurde ihm am 15. Mai 1980 seitens des Ministeriums für Kulturelle Angelegenheiten die “Große Kultur-Medaille” und seitens der Türkischen Stiftung für Literatur der Titel “”größter lebender Dichter der türkischen Sprache” verliehen.

Literaturschaffen:

Wie er selbst sagt, hat ihm sein Großvater “schon im zarten Kleinkindalter das Lesen und Schreiben” beigebracht, was Kisakürek dazu veranlasste, seit frühester Zeit “alle Übersetzungen von französischen Werken, die von Verfassern der Unterschicht geschrieben worden waren”, zu lesen und bis zum 12. Lebensjahr “als ein grenzenloser Lesenarr” gegolten zu haben. Er schreibt dazu: “Mein Interesse für Werke wie “Paul und Virginia”, “Graziella”, “Die Kameliendame”, “Der arme Necdet” , die vor allem durch ihr Beschreiben der Gefühlswelt als literarische Werke bekannt waren, hat sich schließlich zu einer Krankheit verdichtet, die mich Tag und Nacht gefangen hielt”. Durch diese Leseleidenschaft erfuhr Necip Fazil seine ersten Kontakte zur Literatur, was ihn dazu brachte, “mit dem Dichten im Alter von 12 Jahren” zu beginnen. Bei einem Besuch seiner kranken Mutter zeigte er ihr den “Gedichtband eines lungenkranken Mädchens”, das neben ihr ans Bett gefesselt war, woraufhin die Mutter ihrer Hoffnung Ausdruck gab, auch “dich einmal als großen Dichter erleben zu können”. Er bemerkt weiter: “Der Wunsch meiner
Mutter führte dazu, dass ich etwas in mir entdeckte, von dessen Existenz ich bis zum 12. Lebensjahr keine Ahnung gehabt hatte. Die Existenz ist eine Weisheit für sich. Wie um den Schneestürmen, die vor dem Fenster des Krankenzimmers tobten, zu trotzen, beschloss ich in meinem Inneren: Ich werde Dichter sein! Und ich wurde es”. Das erste Gedicht von Necip Fazil, das zur Veröffentlichung gelangte, trug den Titel “Die Inschrift” und wurde in das “Ein Spinnennetz” betitelte Buch in der Form “Ein Grabstein” aufgenommen. Am 1. Juli 1923 erschien es in der “Neuen Zeitschrift”. Aus Anlass dieses Gedichtes, das mit den Zeilen … beginnt, schrieb Ahmet Hasim in seinen Erinnerungen über Necip Fazil die Worte “Kind, wo hast du diesen Klang denn nur gefunden?”.

Seit dieser Zeit bis zum Jahre 1939 gelang es Kisakürek, durch seine in Zeitschriften wie “Neue Zeitschrift”, “Nationale Zeitschrift”, “Anatolien”, “Leben” oder “Existenz” sowie in der Tageszeitung Cumhuriyet veröffentlichten Gedichte und Aufsätze große Berühmtheit zu erlangen.

Nach der Rückkehr Necip Fazils im Jahre 1925 aus Paris in die Türkei hielt er sich für längere Zeit in Ankara auf; in der Zeit seines dritten Aufenthaltes gelang es ihm, sich der Unterstützung einiger Banken zu versichern und am 14. März 1936 die Zeitschrift “Der Baum” zu veröffentlichen. Diese Zeitschrift, in der regelmäßig Aufsätze von Ahmet Hamdi Tanpinar, Ahmet Kutsi Tecer und Mustafa Sekip Tunc abgedruckt wurden, hatte sich zum Ziel gesetzt, im Gegensatz zu den die Intellektuellen jener Periode stark beeindruckt habenden materialistischen und marxistischen Auffassungen, wie sie u. a. in der jüngst eingestellten Zeitschrift von Yakup Kadri mit dem Namen “Die Kader” von Schriftstellern wie Burhan Belge, Vedat Nedim Tör, Sevket Süreyya Aydemir und Ismail Husrev Tökin verteidigt worden waren, rein geistige und idealistische Positionen einzunehmen. Nachdem sechs Ausgaben der Zeitschrift in Ankara erschienen waren, verlegte Kisakürek den Publikationsort nach Istanbul. Aufgrund des Mangels an interessierten Lesern musste sie jedoch nach Erscheinen der 17. Ausgabe eingestellt werden.

Im Jahre 1943 versuchte Necip Fazil sich erneut mit der Herausgabe einer Zeitschrift, dieses Mal unter dem Titel “Der mächtige Orient”. Diese Zeitschrift hatte eine bestimmte politische und religiöse Identität vorzuweisen; bis 1978 erschien sie mit Unterbrechungen als Wochen-, Tages- und Monatsschrift. Die Zeitschrift nahm stets Position für bestimmte politische Richtungen, und aufgrund der in ihr abgedruckten Beiträge wurden Verfahren gegen sie eröffnet, so dass der Vertrieb einige Male eingestellt werden musste. Necip Fazil wurde allmählich zu einem Vorreiter der Islamischen Bewegung, besonders durch seine den Laizismus ablehnende Position und seine Verteidigung des Sultans Abdülhamit.

Hier soll aber sogleich angemerkt werden, dass wie auch schon bei der Zeitschrift “Der Baum” die ersten Ausgaben von “Der mächtige Orient” durch die kosmopolitische Zusammensetzung der Redakteure und Journalisten geprägt war. Von Bedri Rahmi bis Sait Faik haben viele Schriftsteller neuer Literaturströmungen ihre Beiträge zu den einzelnen Ausgaben geliefert.

Weil Necip Fazil seine Zeitschrift als ein Organ verstand, das besonders in religiösen Auseinandersetzungen eine Vorreiterrolle einnehmen sollte, zogen immer mehr der o. e. Schriftsteller ihre Beiträge zurück. Im Jahre 1947 wurde die Zeitschrift beschlagnahmt, woraufhin Necip Fazil in den Monaten November-Dezember insgesamt drei Ausgaben eines politisch geprägten, humoristischen Blattes unter dem Titel “Die Trompete” herausgeben konnte.

Werke:
Dichtung: Das Spinnennetz (1925); Gehsteige (1928); Ich und der andere (1932); Die unendliche Karawane (1955); Prüfungs- und Fastenzeit (1962); Meine Gedichte (1969); Der Gruß (1973); Prüfungs- und Fastenzeit (1974); Dieser Regen.
Theaterstücke: Der Samen (1935); Erschaffung eines Menschen (1938); Die Namensgebung (1940); Der Geduldsstein (1940); Geld (1942); Sein anderer Name lautet Fingerloser Salih (1949); Herr Vorsitzender (1964); Das Holzhaus (1964); Der Mann im schwarzen Umhang (1964); Der große Führer Abdülhamit (1965); Yunus Emre (1969).

Romane: Die Lüge im Spiegel (1980); Ausweispapiere (1984, Abdruck der Tageszeitung Milliyet).

Erzählungen: Ein paar Erzählungen, ein paar Analysen (1932); Geistige Irrungen und Wirrungen (1964); Meine Geschichten (1970).

Gedenkschriften: Verrücktheit und Wahnsinn (1955); Die Pilgerfahrt (1973); Er und ich (1974); Das Sultanstor (1975).

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